Wie du mehr Orientierung für dein Leben gewinnst

Wie du mehr Orientierung für dein Leben gewinnst

Nach Navi fahren…

Genießt du auch manchmal die Vorzüge eines Navigationsgerätes? Auf dem Weg zu Freunden oder beim Erkunden in einer andere Stadt?

Schon ganz praktisch, so ein Navi. Jeden Moment kannst du deine aktuelle Position und Ausrichtung erkennen, die Route zu deinem Ziel ablesen sowie die Dauer bis zur Ankunft am Ziel. Du musst nicht mehr aufwändig auf einer Straßenkarte aus Papier herausfinden, wo du gerade bist und wo du als nächstes abbiegen musst. Und die digitale Karte des Navis informiert dich auch oft über aktuelle Verkehrsstaus oder interessante Orte entlang deiner Route.

So ein Navi erspart dir viel Zeit und Mühe. Auch wenn ein solches Navi dir nur ein stark vereinfachtes Modell des Gebiets anzeigt, so hilft es dir ungemein dabei, dich in diesem unbekannten Gebiet schnell zurechtzufinden und auf dir noch fremden Wegen zum Ziel zu gelangen. Zumindest wenn es auf aktuelles Kartenmaterial zugreifen kann.

Wie wäre es ein Navi für deine Wirklichkeit zu haben?

Wir Menschen nutzen ebenfalls ein solches vereinfachtes Modell der Welt, wenn wir uns auf die Realität beziehen. Unseren Alltag gestalten, mit anderen Menschen interagieren oder über unsere eigenen Beziehungen nachdenken.

Dieses Modell der Welt ist uns nicht bewusst. Es gleicht einem individuellen Navi für unsere Wirklichkeit. Es basiert auf unseren subjektiven Erfahrungen, persönlichen Erlebnissen, kulturellen Prägungen und erlernten Überzeugungen und Werten. Insofern unterscheidet sich dieses Modell der Welt ganz erheblich von einem Menschen zum anderen.

An und für sich ist dies nicht schlimm.

Es macht uns vielmehr deutlich, weshalb wir Menschen so oft aneinander vorbeireden und uns so häufig missverstehen. Zwar verwenden wir die gleichen Begriffe, diese gehen jedoch mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen, subjektiven Erlebnissen und persönlichen Bewertungen einher. „Lass uns heute mal einen richtig schönen Abend verbringen“ – dieser Vorschlag hat schon so manches Paar herausgefordert, sich mit der Unterschiedlichkeit der Bedeutungen von einem „richtig schönen Abend“ auseinanderzusetzen.

„Missverstehen ist die Regel. Verstehen die Ausnahme.“

– Paul Watzlawick

Daher ist für einen gelingenden, konstruktiven Diskurs immer wieder sinnvoll und notwendig, die unterschiedlichen Bedeutungen der verwendeten Begriffe offenzulegen und eine gemeinsame Bedeutung zu finden, die von den Beteiligten geteilt wird.

Wir nehmen nur einen kleinen Ausschnitt der Realität wahr

Wenn wir uns dieses Modell der Welt bewusst machen, erkennen wir schnell die grundlegenden Vereinfachungen aufgrund unserer neuro-biologischen Ausstattung (neuro-biologische Filter). So können wir mit Hilfe unserer fünf Sinne – Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken – nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Spektrum der Realität bewusst wahrnehmen. So sind wir z.B. nicht in der Lage Ultraschall zu hören, bei Dunkelheit gut zu sehen oder radioaktive Strahlung wahrzunehmen. Auch unser psychosomatischer Zustand – wach und klar, ängstlich-erregt oder aber benebelt und müde – beeinflusst erheblich, was wir von der Realität in welcher Qualität wahrnehmen können.

Die Sicht auf diesen Ausschnitt der Realität wird weiter beeinträchtigt durch unsere kulturellen Prägungen und anerzogenen Konditionierungen (soziale Filter). Das was wir „glauben“, was unsere Eltern und Vorbilder für „richtig“ oder „falsch“ halten, dass was „man tut“ und wie man zu sein hat, um als Mitglied der jeweiligen Kultur ernst genommen und anerkannt zu werden.

Und schließlich wird unsere Wirklichkeit auch durch unsere individuellen Überzeugungen, subjektiven Erlebnisse und persönlichen Wertpräferenzen bestimmt (individuelle Filter).

Wie das Modell der Welt in unserem Kopf entsteht

Diese neuro-biologischen, sozialen und individuellen Filter führen dazu, dass sich das, was wir für „wirklich“ halten, stark von der Realität unterscheidet. Unsere Wirklichkeit erscheint uns zwar als „real“. Tatsächlich ist sie aber eine durch mentale Prozesse der Generalisierung, Tilgung und Verzerrung entstandene Konstruktion unseres Geistes.

Durch Generalisierung lernen wir in der Welt zurechtzukommen, indem wir einmal gemachte Erfahrungen („Herdplatten können Schmerzen verursachen“) verallgemeinern, um diese in vergleichbaren Situationen künftig rasch parat zu haben.

Die Fähigkeit zu Tilgen erlaubt uns, uns auf die uns wichtig erscheinenden Informationen zu konzentrieren und unwichtige Eindrücke entsprechend auszublenden, um handlungsfähig zu bleiben (z.B. können wir uns auf unser Gespräch konzentrieren, während um uns herum viele andere Menschen miteinander reden).

Mit Hilfe von Verzerrung sind wir in der Lage unsere Erfahrungen kreativ so zu gestalten, wie es uns passt (z.B. eine Geschichte erzählen, einen Roman schreiben oder ein Bild malen).

Die Karte ist nicht das Gebiet

Diese mentalen Prozesse der Generalisierung, Tilgung und Verzerrung ermöglichen uns als Menschen zu wachsen, zu lernen, zu verstehen und den ganzen Reichtum zu erfahren, den die Welt zu bieten hat.

Wir sollten uns jedoch stets bewusst sein, dass diese so entstehende subjektive Wirklichkeit nicht der äußeren Welt entspricht und unsere Mitmenschen diese Wirklichkeit ebenfalls subjektiv wahrnehmen – und zwar anders als wir.

Picasso soll einmal von einem Mann gefragt worden sein, warum er so merkwürdige Bilder male.

Er erwiderte, dass dies seine Beschreibung der Wirklichkeit sei.

Picasso forderte den Mann auf, ein Beispiel für dessen Vorstellung von Wirklichkeit zu nennen. „Hier das ist eine reale Abbildung. Dieses Foto zeigt meine Frau, wie sie wirklich ist.“

Daraufhin Picasso: „Zeigen sie mal. So klein ist ihre Frau und so flach?“

Die Integrale Landkarte

Wie kannst du also die Wirklichkeit möglichst umfassend erforschen? Wie kannst du möglichst umsichtig navigieren in dieser chaotisch anmutenden Welt?

Ein paar Generalisierungen – so genannte Orientierungsverallgemeinerungen – haben sich sehr bewährt, größere Zusammenhänge der Realität sichtbar und somit verstehbar zu machen. Diese Aspekte bilden zusammengefasst die Integrale Landkarte. Sie enthält alles, was nötig ist, um deine Wirklichkeit so umfassend und passend wie möglich zu kartieren.

Um deine aktuelle Position auf dieser Karte in jedem Moment zu bestimmen helfen dir folgende fünf Fragen:

  • Wie ist mein gegenwärtiger Zustand? Bin ich gerade eher wach, träume oder schlafe ich gerade? Fühle ich mich klar oder eher betäubt?
  • Welchen Bewusstseins-Horizont habe ich gegenwärtig? Was kann ich mir potenziell gegenwärtig alles bewusst machen – und was eben nicht?
  • Welche Intelligenzen führen mich gerade? Welche der unterschiedlichen Facetten meiner Persönlichkeit beeinflussen oder beherrschen aktuell meine Gedanken, Gefühle und Handlungen?
  • Wie sortiere, filtere und bedeute ich die Welt typischerweise? Welchen Einfluss nehmen Typen und Typologien auf meine Wahrnehmung?
  • Was ist mein aktueller Fokus? Und was blende ich dadurch aus? Richtet sich meine Aufmerksamkeit gerade eher auf meine Innenwelt oder die Außenwelt? Bin ich gerade eher mit mir beschäftigt oder mit anderen?

Diese Fragen bilden den Rahmen für dein eigenes Navigationssystem. Damit bist du in der Lage, jede Lebenssituation, jedes Erlebnis umfassender als bisher zu ergründen. Auf diese Weise kannst du deine Gedanken, Gefühle und Empfindungen besser verstehen und die gemachten Erfahrungen somit besser in deine eigene Wirklichkeit, in dein Leben integrieren.

Dein eigenes psychoaktives Navigationssystem

Dieses Navigationssystem ist speziell angepasst auf deine subjektive Wirklichkeit. Es stellt eine möglichst umfassende und passende Übereinstimmung zwischen der Realität und deiner Wirklichkeit her. Dies ist nichts, was du glauben musst, sondern in jedem Moment selbst erfahren kannst.

Und dieses individuelle Navi ist zudem psychoaktiv.

Indem du es anwendest, lenkt es deine Aufmerksamkeit immer wieder auf relevante Informationen der Realität und blendet unwichtige Aspekte aus. Wichtige Elemente der Wirklichkeit werden hervorgehoben, unnötige Details werden ausgelassen. Dadurch wird deine Orientierung kontinuierlich verbessert.

Du gewinnst in jeder Situation mehr Klarheit als bisher und kannst sinnvollere Entscheidungen für dich und deine Umwelt treffen. Mit der Zeit wirst du merken, wie hilfreich und wertvoll diese Integrale Landkarte für dich und deinen Lebensweg sein kann.

Leichter ans Ziel gelangen und auf dem Weg mehr erleben

Mit Hilfe deines eigenen psychoaktiven Navis nimmst du automatisch mehr von der Vielfalt und dem Reichtum deines Lebens wahr. Du verstehst zunehmend besser, weshalb bestimmte Situationen „so sind“ wie sie sind – auch wenn du mit ihnen keinesfalls einverstanden sein musst. Du haderst weniger mit der Welt und deinen Beziehungen – und kommst schneller in Kontakt mit deinen eigenen Handlungsmöglichkeiten. Du gewinnst mehr Klarheit darüber, was du mit Herz, Bauch und Verstand wirklich willst. Wofür du stehst und einstehst.

„Würdest du mir bitte sagen, wie ich von hier aus weitergehen soll?“ – „Das hängt zum großen Teil davon ab, wohin du möchtest?“, sagte die Katze.

– Alice im Wunderland von Lewis Carroll

Wohin deine Reise gehen soll, bestimmst du weiterhin ganz selbst. Dein Navi hilft dir dabei, deinen Kurs beizubehalten und gleichzeitig deinen Blick zu öffnen für bislang unentdeckte Chancen und Möglichkeiten, die sich entlang deiner Route ergeben. Stelle dir einfach immer wieder die oben aufgeführten fünf Fragen, um dich mit deinem eigenen Navi vertraut zu machen.

Falls du neugierig geworden bist, wie die Integrale Landkarte im Herzen deines Navis genau funktioniert, findest du ausführliche Informationen dazu in unserem Artikel „Was ist »integral«?“.

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