Macht Sinn Sinn?

Macht Sinn Sinn?

Woher komme ich? Wohin gehe ich? Warum bin ich hier? Wie will ich leben?

Die Art Homo sapiens ist ein sinn-gebundenes Säugetier und fragt nach dem Sinn des Lebens. Woher kommt der Sinn deines Lebens und was zeichnet ihn aus? Wie erkennst du Sinn – und was machst du damit? Sind Glück und Erfüllung wirklich sinnvoll? Was ist der Sinn des Sinns?

Sinnvoll erscheint unser Leben dann, wenn es unserer idealen Wertvorstellung entspricht. Insofern ist Sinn ein Gedankenkonstrukt, welches wir ersinnen, um unserem Leben eine Orientierung zu geben, indem wir etwas tun oder erschaffen, etwas erleben oder jemanden lieben oder einer hoffnungslosen Situation mit Haltung begegnen. Manches Mal wirkt Sinn wie jene Karotte, die wir unserem „inneren Esel“ vorhalten, damit er sich bewegt.

Im Laufe unseres Lebens ändert sich unser Bezug zu unserem Lebenssinn. Überzeugungen, die uns früher sehr wichtig waren, erscheinen uns auf einmal sinnlos – wir geraten in eine Sinnkrise und verlieren bislang sichere Orientierungen. Was kommt nach Sinn? Wer bin ich ohne Sinn? Ist ein Leben frei von Sinn möglich? Und wie erfüllend kann dies sein?

Eine Integrale Betrachtung des Themas Sinn eröffnet dir ein besseres Verständnis deines eigenen Lebens sowie für die Sinnsuche deiner Mitmenschen. Wir laden dich herzlich ein, Sinn auf Integrale Weise zu erkunden und dadurch neue Impulse und Inspirationen für mehr informierte Orientierung in deinem Leben zu gewinnen.

Homo sapiens – ein Sinn-konditioniertes Säugetier

Von klein auf werden wir Menschen zur Nützlichkeit, zur Arbeit, zu sinnvollem Handeln, zu einem sinnvollen Leben angehalten. Daher stellen wir uns die Frage nach dem Sinn des Lebens im Alltag in der Regel nicht, solange unsere eigene Lebensführung nicht zweifelhaft oder fragwürdig wird. Erst wenn wir z.B. durch Enttäuschungen, Unglücke, den Verlust eines geliebten Angehörigen oder die Anforderungen eines neuen Lebensabschnitts herausgefordert werden. Erst dann stellen wir den Sinn unseres Lebens infrage. Wie können wir unter diesen veränderten Umständen glücklich sein oder werden? Ein erfülltes Leben führen? Was ist der Sinn all des Leidens, welches wir oder uns nahestehende Mitmenschen oder Tiere ertragen müssen?

Sind wir nicht mehr in der Lage diese Fragen mit Hilfe unserer bisherigen Deutungsweise der Wirklichkeit stimmig zu beantworten, geraten wir in eine Sinnkrise. Diese kann uns in unserem Denken, Handeln und Fühlen stark beeinträchtigen. Oftmals beginnen wir erst in solchen Krisen über unser Leben und unseren Lebenssinn nachzudenken.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

Wieso ist das so? Das hat mit der Organisation unseres Gehirns zu tun. Das menschliche Gehirn arbeitet assoziativ, indem es Vorstellungen unbewusst oder bewusst miteinander verknüpft. Es ist permanent damit beschäftigt, uns ein kohärentes Weltbild zu präsentieren – eine Welt, die in technischer Hinsicht „in Ordnung“ erscheint. Wo die Naturgesetze gelten. Wo wir Ursache und Wirkung aufeinander folgend erleben. Wo sich unsere Geschichten stimmig ineinander fügen.

Unser erlebendes Selbst arbeitet dazu assoziativ mit unserem erinnernden Selbst zusammen. In Sekundenbruchteilen und größtenteils unbewusst werden aktuell erlebte Sinneseindrücke mit unseren Erinnerungen, Vorstellungen und Überzeugungen verknüpft und gelangen in Form von Gedanken und Gefühlen in unser Bewusstsein.

Unüberwindbare berufliche Herausforderungen. Eine schwere Erkrankung. Der Zusammenbruch meiner Ehe. Der Verlust meines Jobs. Der Tod eines nahen Angehörigen.

In solchen Situationen leiden wir unter der Diskrepanz zwischen unserem Wunsch und der Wirklichkeit – einer so genannten kognitiven Dissonanz. Wir erleben eine unangenehme oder schmerzvolle Spannung, die uns bedrückt. Um den in Frage gestellten Sinn wieder herzustellen, versucht unser Gehirn in solchen Situationen zwanghaft, alle wahrgenommenen kognitiven Dissonanzen aufzulösen. Dazu nutzen wir – meist unbewusst – eine der folgenden Strategien oder kombinieren mehrere davon:

  • Wir lösen das zugrunde liegende Problem. Mit der Lösung verschwindet auch die unangenehme Dissonanz.
  • Wir passen unsere Wünsche, Absichten oder Einstellungen an die Wirklichkeit an oder reduzieren sie auf ein erreichbares Maß, dass die Dissonanz minimiert.
  • Wir sorgen dafür, dass wir die unangenehme Dissonanz nicht mehr so intensiv erleben, indem wir uns z.B. durch den Konsum von Alkohol, Nikotin, Beruhigungsmitteln oder anderen Drogen betäuben oder auf andere Weise beruhigen, z.B. indem wir den von uns für die Dissonanz verantwortlich gemachten Mitmenschen aus dem Weg gehen.
  • Wir (er-) finden andere Gründe und Ursachen für unsere kognitive Dissonanz, die wir nicht selbst verantworten. Wir schieben den schwarzen Peter einem anderen Akteur, den Umständen oder einer höheren Macht zu.
  • Wir spielen den Widerspruch zwischen unserem Verhalten und unseren Einstellungen herunter.
  • Wir stellen unser Verhalten als erzwungen oder alternativlos dar.
  • Wir ignorieren, leugnen oder werten wichtige Informationen als „Fake News“ ab, die unsere empfundene Dissonanz aufrecht erhalten oder gar vergrößern.
  • Wir beschaffen uns und interpretieren selektiv Informationen, die unsere empfundene Dissonanz verringern oder beseitigen.

Biologisch und psychologisch sind wir also gut dafür ausgestattet, den Sinn unseres Lebens möglichst lange aufrecht zu erhalten, unbeirrt an ihn zu glauben und furchtlos gegen Angriffe zu verteidigen. Informationen, die unseren Sinn in Frage stellen, verarbeiten wir meist in einer Weise, dass die von ihm ausgehende Orientierung nicht grundlegend erschüttert wird – auch wenn wir vielleicht im Nachhinein unseren Irrtum erkennen und unsere Enttäuschung eingestehen.

»Das Bewusstsein eines Menschen gleicht einem Regierungssprecher, der Entscheidungen zu verkünden hat, an denen er (a) nicht beteiligt war und (b) dessen wahre Entscheidungsgründe ihm nicht zugänglich sind.«

– Daniel Dennett

Woher beziehen wir Sinn?

Doch wie gelangt Sinn in mein Bewusstsein? Von welcher Autorität beziehe ich Antworten darauf, was für mich und mein Leben Sinn macht?

Sobald wir geboren werden, versuchen wir unsere Sinneseindrücke und Erfahrungen so zu interpretieren, dass wir in der uns unbekannten Welt überleben und uns in ihr immer besser zurechtfinden. Wenn ich eine schlechte Erfahrung mache, z.B. eine heiße Herdplatte berühre, verallgemeinere ich diese konkrete Erfahrung so, dass ich eine Wiederholung dieser schlechten Erfahrung möglichst vermeiden kann. Die Erfahrungen und Referenz-Erlebnisse, die ich als junger Mensch mache, kumulieren sich zu meiner ganz individuellen Erfahrung der Welt – frei von Sinn.

Sinn benötigt ein „du“

Sinn kommt erst ins Spiel, sobald ich mich an anderen orientiere. Als soziale Lebewesen imitieren und lernen wir wichtige Überzeugungen, Denk- und Verhaltensweisen von älteren Artgenossen. Dieses Modellieren anderer Personen ist sehr einfach und energie-effizient für uns und alle Beteiligten.

Als junge Menschen sind wir sehr suggestibel und offen für Deutungen und Sinngebungen, die Denk- und Verhaltensweisen anderer, älterer Menschen. Dies können reale oder auch fiktive (gute und schlechte) Vorbilder sein, an denen wir uns orientieren. Prinz Eisenherz oder Pippi Langstrumpf, von denen ich Mut lernte. Der Sportlehrer, der mir das bis heute anhaltende Gefühl vermittelte, sportlich eine Niete zu sein. Oder mein reicher Onkel, der an der Börse viel Geld verdiente und mir den Wert von Geld beibrachte. Oder natürlich meine Eltern, die mir „gutes“ Benehmen und vieles andere mehr beigebracht haben. Wir machen uns ihre Ansichten und Interpretationen über uns und die Welt oft unhinterfragt zu eigen.

Aber auch meine Schulkameraden, mein Freundeskreis, mein soziales Umfeld und mein Wohnort haben einen wichtigen Einfluss auf dass, was für mich Sinn stiftet. Verbringe ich viel Zeit mit anderen auf dem Fussballplatz, macht Fussball viel Sinn für mein Leben. Vielleicht will ich dann später selbst Profi-Fussballer werden. Begleite ich meine Eltern regelmäßig zum Gottesdienst in die Kirche, lerne ich die Kirche und religiösen Glauben schätzen für mich und ein sinnvolle Lebensführung.

Je mehr unterschiedliche Lebenserfahrungen ich mache, desto mehr verlagere ich meine Sinn-Stiftung weg von externen Autoritäten – Eltern, Freunde, Sportverein, Kindheits-Helden etc. – hin zu meiner eigenen, internen Autorität. Gerne glaubte ich als junges Kind an den Weihnachtsmann – bis ich enttäuscht feststellen musste, dass es ihn überhaupt nicht gibt und ich stattdessen wütend und fassungslos erkannte, von meinen Eltern getäuscht zu werden. Durch solche Enttäuschungen getrieben vertraue ich zunehmend mehr meinen eigenen Gedanken, Überzeugungen und Gefühlen als mich auf die Meinung anderer zu verlassen. Ich werde skeptisch, glaube nichts mehr einfach so, hinterfrage meine bisher für sinnvoll gehaltenen Überzeugungen und auch die Überzeugungen anderer. Bilde mir meine eigene Meinung und werde eigensinnig. Ich werde erwachsen.

Sinn als soziales Konstrukt

Ein evolutionärer Meilenstein und eine wichtige Voraussetzung für Sinn war die Entwicklung unseres Großhirns vor ca. 80.000.000 Jahren – zusammen mit einer zeitgleichen Spezialisierung unseres Kehlkopfs, unseres Gesichts und unseres Mittelohrs. Mit Hilfe von Mimik, Stimme und Sprache sind wir Menschen seitdem in der Lage, mit anderen Artgenossen emotional differenziert zu kommunizieren. Wir können dadurch Beziehungen zu anderen Mitmenschen knüpfen, soziale Bindungen aufbauen und intensivieren und mit anderen Menschen sinnvoll kooperieren.

Das sprachliche Ausdrücken von Sinn ist für den Aufbau menschlicher Kooperationsnetzwerke entscheidend. Dadurch sind wir in der Lage, vielfältige Sinn-Geflechte zwischen den beteiligten Individuen zu erzeugen. Entsprechend verbindet Sinn uns als einzelne Individuen und unser subjektives Sinn-Erleben mit der kollektiv vorherrschenden Sinngebung unserer Gemeinschaft.

Von dieser Sinn-Stiftung – Karl E. Weick prägte dafür den Begriff des „Sense Making“ – profitieren beide Seiten, Individuum und Kollektiv, gleichermaßen. Die individuelle Funktion von Sinn hilft mir als Individuum, mein individuelles Denken und Handeln effizient und wirksam auf sinnvolle Ziele auszurichten und gibt mir Orientierung und somit (relative) Sicherheit. Die soziale Funktion von Sinn besteht darin, die beteiligten Individuen zum Wohle und für die Zukunftsfähigkeit des Kollektivs zu sozialisieren und entsprechend den kollektiven Zielsetzungen der Gemeinschaft zu beeinflussen. Erst diese wechselseitige Sinn-Stiftung macht große menschliche Kooperationsnetzwerke überhaupt möglich, die – weit über die eigenen Familienbande hinaus – wirksam und effizient operieren können.

Sinn und Gemeinschaft

Anders gesagt ist Sinn der Kit, der mich an eine bestimmte Gemeinschaft bindet, deren kollektive Wertvorstellungen, Überzeugungen und Weltanschauung ich bereitwillig oder aus Gewohnheit teile (weil ich keine Alternativen kennen).

Sobald ich diese kollektiven Werte und Überzeugungen in Frage stelle oder sich meine eigenen individuellen Werte und Überzeugungen weiterentwickeln, entfremde ich mich von dieser Gemeinschaft.

Vielleicht reduziere ich mein Engagement und werde passives Mitglied der Gemeinschaft. Vielleicht erhöhe ich die kognitive Dissonanz für andere Mitglieder, indem ich Selbstverständliches hinterfrage, kontroverse Themen aufgreife oder unbequeme Positionen vertrete. Vielleicht reagiert die Gemeinschaft daraufhin sehr dogmatisch oder immun gegen meine bzw. individuelle Kritik. Vielleicht verlasse ich die Gemeinschaft – oder werde irgendwann rausgeworfen oder „exkommuniziert“, also aus der gemeinschaftlichen Kommunikation ausgeschlossen.

Vielleicht suche ich dann nach neuen Gemeinschaften mit anderen sozialen Sinn-Geflechten, die besser zu mir passenden. Bestenfalls finde ich bald Anschluss an Gleichgesinnte, die meine eigenen individuellen Werte und Überzeugungen gerne teilen.

Meta-Sinn – die Frage nach dem Sinn der Sinnfrage

»Warum setzen Sie eigentlich voraus, dass ein Leben, außer da zu sein, auch noch etwas haben müsste oder auch nur könnte – eben das, was Sie Sinn nennen?«

– Günther Anders

Vielleicht – wir können dies nicht mit Gewissheit sagen – brauchen wir Menschen also irgendeinen Sinn des Lebens. Jedenfalls sind wir darauf konditioniert anzunehmen, dass ein solcher Sinn existiere und wesentlich für unser Leben sei.

Um uns und anderen zu erklären, weshalb wir existieren. Was Leben für uns und an sich bedeutet. Um zu begründen, welches Lebensziel wir verfolgen. Oder um zu verstehen, welchem Zweck unser Leben dienen soll.

Entsprechend begeben sich viele Menschen im Laufe ihres Lebens irgendwann aktiv auf die Suche nach ihrem eigenen Lebenssinn. Besuchen Sinn-Seminare, sitzen zu Füßen von Gurus, lesen jeden Ratgeber zu sinnvoller Lebensführung, reflektieren mit Coachs, meditieren und sprechen mit spirituellen Lehrern über die Frage des Lebenssinns.

Interessant dabei ist, dass die meisten Sinn-Suchenden nie nach dem Sinn der Lebenssinn-Frage selbst fragen. Sie stellen den Sinn der Sinnfrage überhaupt nicht in Frage. Vielleicht gehörst du zu den wenigen Menschen, die sich selbst fragen:

  • Warum stelle ich mir überhaupt die Frage nach dem Sinn meines Daseins?
  • Was drängt mich dazu, diese Frage für mich zu beantworten?
  • Was gewinne und was verliere ich dadurch, wenn ich auf diese Frage eine Antwort für mich fände?
  • Was gewinne und was verliere ich dadurch, wenn diese Frage für mich unbeantwortet bliebe?

Eine Integrale Betrachtung von Sinn

Die Integrale Landkarte bietet dir eine umfassende Orientierung, wenn du Sinn für dich selbst systematisch untersuchen möchtest. Sie basiert auf der Arbeit des amerikanischen Philosophen Ken Wilber und stellt das bislang beste Modell bereit, sämtliche (!) Phänomene unserer Wirklichkeit präzise auf dieser Landkarte zu verorten und somit unserem Bewusstsein verständlich zugänglich zu machen. Die Integrale Landkarte beschreibt fünf Dimensionen der Wirklichkeit, die wir im Folgenden auf Sinn anwenden.

Zustände – Erleben von Sinn und Sinnlosigkeit

Dein physiologischer Zustand bestimmt maßgeblich, wie du die Welt gerade erlebst und wie du in ihr handelst. Und dein Körper reagiert auch subtil, aber sehr zuverlässig auf dein Erleben von Sinn und Sinnlosigkeit. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich für dich etwas Sinnvolles körperlich „gut“ anfühlen, während etwas Sinnloses dir körperlich „schlechte“ Gefühle bereitet. Mit etwas Übung wirst du in Bezug auf Lage, Ort, Qualität und Intensität des Gefühls deutliche Unterschiede in deinem Körper feststellen können.

Wenn du also über Sinn und insbesondere den Sinn deines Lebens nachdenkst, lohnt es sich zu wissen, wie dein Körper auf Sinn und Sinnlosigkeit reagiert. Damit steht dir ein zuverlässiger Hinweisgeber zur Verfügung, der dir jeden Moment deines Lebens dabei hilft, mehr Sinn in dein Leben zu bringen und sinnlose Situationen und Beziehungen zu vermeiden oder schnell zu verlassen.

Bewusstseins-Ebenen – Die Evolution von Sinn

Der zweite Integrale Aspekt für die Erkundung der Frage nach dem Sinn des Lebens ist, einfach gesagt, der Bewusstseinsraum dessen, was du dir überhaupt vorstellen kannst. Was für dich denkbar und vorstellbar erscheint. Die Ausdehnung deines gegenwärtigen Bewusstseins. Wenn du gerade völlig neue Erfahrungen machst, z.B. Dinge, von denen du noch nie gehört oder gelesen hast, wird es dir normalerweise schwerfallen, diese in deinem Bewusstseinsraum nachzuvollziehen oder gar zu verstehen. Vielleicht denkst du sogar „unmöglich“ oder „unvorstellbar“ oder du bist einfach nur verwirrt.
Im Laufe deines Lebens entwickelt sich dein individuelles Bewusstsein weiter und dein Horizont weitet sich mit jeder erreichten Entwicklungsstufe – wir sprechen auch von Entwicklungs- oder Bewusstseins-Ebenen oder Wellen.

Und das macht Sinn! Im Unterschied zu Zuständen, die vorübergehen, sind Stufen dauerhaft. Du bist dann nicht mehr von jeder Gelegenheit überrascht. Weil du das, was gerade passiert, auf der Grundlage deiner bisher gemachten Erfahrungen interpretieren und für dich bewerten lernst. Je Entwicklungsstufe entwickelt sich dein individuelles Welt-Modell weiter. Alte Überzeugungen weichen aktuell besser passenden Überzeugungen.

Auf unserer Lebensreise durchlaufen wir alle verschiedene Stationen, die sich klar charakterisieren lassen und aufeinander aufbauen. Entsprechend verlagern sich der Schwerpunkt und die Quellen unserer individuellen Sinn-Stiftung von Stufe zu Stufe:

  • Ego-zentrisches Bewusstsein („Ich“) – In unserer Kindheit durchlaufen wir alle diese Stufe, bei der wir emotional-impulsiv auf alles trotzig und aggressiv reagieren, was uns nicht in den Kram passt. Wir lernen Lust und Unlust kennen. Unseren Sinn beziehen wir vorrangig daraus, unsere körperlichen, materiellen, sozialen und geistigen Bedürfnisse auf der Stelle, jetzt und unmittelbar, zu befriedigen. Sinn-Stiftung erfolgt entsprechend durch Erleben der eigenen Mächtigkeit sowie durch das Ausüben von Macht und Gewalt über andere. Da wir noch kein Zeitbewusstsein haben, existiert die Idee zu Warten einfach nicht in unserem Bewusstsein. „Das Leben ist ein Kampf“ ist eine typische Äußerung zum Lebenssinn auf dieser Stufe.
  • Sozio-zentrisches Bewusstsein („Wir“) – Bereits im Kindergarten, spätestens mit Beginn der Schulzeit erweitert sich unser Bewusstsein zu einem Raum, in dem nun auch andere Mitmenschen einen wichtigen Platz bekommen. In dieser Zeit lernen wir, uns einer Gruppe und ihrem kollektiven Sinn-Geflechten anzuschließen, uns einzuordnen, um ein „gutes Mitglied“ dieser Gemeinschaft zu werden. Wir beziehen unseren Sinn nun vorrangig aus dem Erleben von Zugehörigkeit und dem unbedingten Glauben an „die Wahrheit“ der Gruppe und dem Befolgen „des richtigen“ Wegs, den die Gruppe mir vorgibt. Ich entwickle ein Zeitbewusstsein bzw. übernehme es von der Gruppe, welches auf die Vergangenheit ausgerichtet ist und keine Zukunft kennt. Darin erhalten Jahresfeste und die Traditionen der Vorfahren dieser Gemeinschaft eine zentrale Bedeutung. Vielleicht muss ich mich Mutproben oder anderen Initiations-Ritualen der Gemeinschaft stellen, um wirklich dazuzugehören. Meine Loyalität und Treue unter Beweis stellen. Ich werde die Regeln und Konventionen einhalten und die Hierarchie der Gruppe achten. Den Autoritäten der Gemeinschaft gehorchen und gegen Feinde und andere Fremde der Gruppe agieren, um bestenfalls und dankbar einen angesehenen Platz in dieser Gruppe einnehmen zu dürfen. Sinn-Stiftung hat für mich viel damit zu tun, für die Gruppe und andere Gruppenmitglieder da zu sein und die mir zugewiesene Rolle im Sinne des Kollektivs auszufüllen. „Eine gute Mutter“, „ein guter Ehemann“, ein „verlässlicher Kamerad“ zu sein. Und überhaupt: in den Augen der anderen korrekt dazustehen. Typische Vorstellungen zum Sinn des Lebens in dieser Bewusstseinsstufe sind z.B. „Zu lieben, zu helfen oder anderen zu dienen“ oder „Gott dienen oder ihn würdigen und/oder sich auf das nächste Leben vorbereiten“ oder „Mein Vaterland mit meinem Leben verteidigen“.
  • Welt-zentrisches Bewusstsein („Wir Menschen“) – Sobald wir uns von den Vorstellungen unserer Herkunftsfamilie lösen und von anderen bislang wichtigen sozialen Einflusssystemen (z.B. Kirchenchor, Sportverein, Schulfreunde) emanzipieren, werden wir erwachsen. Wir sind dann in der Lage, für unser Leben und Fortkommen wichtige Entscheidungen selbst und eigenverantwortlich zu treffen. In dieser Phase meines Lebens komme ich erstmals mit meinem mir innewohnenden Selbst in Kontakt. Das Tor zu meiner subtilen Innenwelt öffnet sich weit und ein unablässiger und zunächst nicht zu bändigender Strom von Gedanken, Ideen, Hoffnungen, Befürchtungen über mich und die Welt überflutet mich. Sinn-Stiftung ist unter diesen chaotischen Umständen kaum möglich, entsprechend verliere ich mich schnell in meinem inneren Chaos. Als eine Art Sinn-Findungs-Strategie nehme ich nach der Schule vielleicht erst einmal eine Auszeit und bereise die Welt. Um mich selbst kennen zu lernen und an der Welt eigenständig auszuprobieren. Und um über den Sinn meines Lebens und meine Zukunft nachzudenken. Im Laufe der Zeit gewinne ich zunehmend mehr Klarheit zu diesen Fragen und mein Selbst festigt sich. Quellen für meine eigene Sinn-Stiftung finde ich in der eigenen Vernunft und der Möglichkeit, über mich, mein Leben und die Welt zu reflektieren. Mein Zeitbewusstsein verändert sich mit Ausrichtung auf die Zukunft, wohingegen ich nun dazu neige, die Vergangenheit und die stets ungenügende Gegenwart mental abzuwerten. Als moderner Mensch setze ich vorrangig meinen Verstand ein, um Probleme zu lösen. Gefühle sind mir typischerweise suspekt und so nehme ich sie kaum oder garnicht wahr oder ignoriere sie. Ich beziehe viel Sinn für mein Leben aus zahlreichen modernen Ideen und Konzepten, z.B. der Idee der Menschenrechte, des wissenschaftlichen und ökonomischen Fortschritts, der Aufklärung, des Materialismus, des Humanismus und des selbst geschaffenen Wohlstands. Gleichzeitig ächte ich unmenschliche Praktiken (z.B. Sklaverei, Folter, Missbrauch und Gewalt). Typische Äußerungen zum Sinn des Lebens auf dieser Bewusstseinsstufe sind z.B. „Im Leben einen Beitrag zu etwas machen, das viel großartiger ist, als wir selbst“ oder „Das Leben ist absurd oder es ist ein Witz“ oder „Das Leben ist sinnlos“ – einer Vorstellung, die allerdings nicht notwendigerweise der Bejahung des Lebens und dem Glück des Menschen widersprechen muss. Ich kann gerade in den nie endenden Anstrengungen gegen eine absurde Welt einen Sinn finden, wie Albert Camus eindrucksvoll in „Der Mythos von Sisyphos“ darlegt.
  • Kosmos-zentrisches Bewusstsein („Alle Wesen“) – Vielleicht gehöre ich zu jenen Menschen, die im Laufe ihres Lebens diese Stufe des Bewusstseins erreichen. Nicht alle betreten diesen Bewusstseinsraum und man kann sehr glücklich und erfolgreich ein langes und sinnvolles Leben auf den vorangegangenen Stufen führen. Ich gelange an die Schwelle zu dieser Stufe, wenn meine kognitiven Dissonanzen im Bezug auf das Geschehen der vorigen Stufe kaum mehr psychisch und physisch zu ertragen sind. Vielleicht erkenne ich die Sinnlosigkeit meines bisherigen Jobs oder ich langweile mich zu Tode (bore out). Vielleicht drehe ich heiß in dem Versuch, alle beruflichen und privaten Probleme der Welt auf einmal zu lösen und finde keinen Ausweg aus meinem Hamsterrad (burn out). Vielleicht ärgere ich mich auch über die engstirnige Politik meiner Gemeinde. Ungeachtet der persönlichen Gründe betrete ich diesen neuen Bewusstseinsraum, der mir neue Möglichkeiten der Sinn-Stiftung bietet. Mir wird bewusst, dass alles, was wir Menschen denken und schaffen, von uns selbst konstruiert wird – und es entsprechend keine Realität „da draußen“ gibt. Zugleich erweitert sich mein Zeitbewusstsein auf den den gesamten geschichtlichen Zeitraum von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, wobei ich mich in der Gegenwart am wohlsten fühle. Und ich erkenne meine eigenen historischen und kulturellen Wurzeln, die mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin. Ich werde dann sensibel für meine eigenen Gefühle und auch für die emotionalen Innenwelten meiner Mitmenschen. Ich entwickle Mitgefühl mit allen Lebewesen und werde vielleicht aus Überzeugung Vegetarier oder Veganer. Sinn beziehe ich auch aus Vorstellungen, welche die Menschheit insgesamt verbinden. Vielleicht beginne ich mich aktiv für Umweltschutz, Tierwohl, Gleichberechtigung, Gemeinwohl, multi-kulturelle Kontexte oder bedrohte Minderheiten einzusetzen. Typische Äußerungen zum Lebenssinn auf dieser Stufe sind u.a. „Das Leben genießen, erfahren und erspüren; den Augenblick genießen; die eigene Lebensreise“ oder „Mitgefühl erleben oder zeigen“ oder „Die eigene Entwicklung; das Streben nach Wahrheit, Weisheit, einer höheren Sinnesebene; den eigenen Sinn finden“ oder „Das Leben ist ein Mysterium – wer weiß wofür dies alles gut ist“.

Diese Evolution von Sinn und Sinn-Stiftung beschreibt zugleich den Sinn der Evolution. Neue Sinn-Geflechte bauen auf bestehenden Sinn-Geflechten auf und integrieren diese in einer Weise, die sich mit ihrer wachsenden Komplexität gegen die omnipräsente Entropie der Welt stemmt. Dadurch kommt mehr Wahrheit, Schönheit, Liebe und Emergenz in unsere Welt. Dies genau ist – soweit wir heute erkennen können – der Sinn der Evolution.

»Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt: je mehr wir zu lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben.«

– Hermann Hesse

Entwicklungslinien – Sinn-stiftende Intelligenzen, die dich führen

Der dritte Aspekt bei der Erforschung deiner Sinn-Stiftungen betrifft jene dir innewohnenden Kräfte, die dich in deinem Leben vorrangig leiten.

In manchen Disziplinen deines Lebens bist du richtig gut. Anderes gelingt dir nur mittelmäßig oder überhaupt nicht. Manches interessiert und fasziniert dich brennend, anderes nimmst du nicht mal zur Kenntnis. So verhält sich dies auch mit den Quellen deiner ganz persönlichen Sinn-Stiftung.

Was macht für dich aktuell besonders viel Sinn? Aus welchen Quellen der Sinn-Stiftung ziehst du gerade besonders viel Motivation und Inspiration? Nimm dir dazu einen Moment Zeit und reflektiere dazu über folgende Fragen:

  • Wer bin ich? (Selbst-Linie)
  • Was ist wichtig für mich? (Werte-Linie)
  • Was soll ich tun? (Moral-Linie)
  • Wie sollen wir uns begegnen? (Zwischenmenschliche Linie)
  • Was ist mein höchstes Anliegen? (Spirituelle Linie)
  • Was brauche ich? (Bedürfnis-Linie)
  • Was finde ich schön? (Ästhetik-Linie).

Typen und Typologien – Wie du der Welt Sinn verleihst

Der vierte Aspekt bei der Erkundung deiner Sinn-Stiftungen sind Typen. Typen beziehen sich auf eine Klasse von Aspekten einer Persönlichkeit, die sich praktisch auf jeder Entwicklungsstufe und in jedem Zustand zeigen können. Und diese Typen bestimmen wesentlich, wie du dich und die Welt um dich herum wahrnimmst, strukturierst, interpretierst und bewertest.

Typen zu benennen heißt nicht, andere Menschen zu beurteilen. Vielmehr ist dies eine gute Möglichkeit, diese besser zu verstehen und wirksamer mit ihnen zu kommunizieren. Wir wollen uns und andere auf keinen Fall „in eine Schublade stecken“ – wir tun dieses dennoch ganz unbewusst und automatisch, wenn wir uns dies eingestehen. Und zwar weil sich typische Unterscheidungen in der Evolution einfach praktisch bewährt haben.

Es gibt zahlreiche mehr oder weniger sinnvolle Typologien im Feld der Persönlichkeitsentwicklung. Ganz wesentlich für die Sinn-Stiftung sind die grundlegenden Typen des weiblichen und des männlichen Prinzips.

Damit sind die in jedem Menschen wirksamen weiblichen und männlichen Energien gemeint, die unser Denken, Fühlen und Verhalten – und unser Sinn-Erleben – prägen. Und diese können ganz unabhängig vom biologischen Geschlecht ausgeprägt sein – und sich auch von Situation zu Situation verändert auswirken.

Wir gehen hier nur sehr kurz und stark vereinfacht darauf ein:

  • Im weiblichen Prinzip wirkt vorrangig die alles integrierende Kraft der Verbindung (Kommunion). Es tendiert zu Fließen, Beziehungen, Fürsorge und Mitgefühl. Das weibliche Prinzip neigt zur Gemeinschaft, orientiert sich an zwischenmenschlichen Begegnungen, pflegt Beziehungen, berührt und wird berührt. Entsprechend fördert es integrierende, verbindende, fürsorgliche und mitfühlende Sinn-Stiftungen.
  • Im männlichen Prinzip wirkt vorrangig die transzendierende Kraft der Aktivität (Agenz). Es tendiert zu Autonomie, Stärke, Unabhängigkeit und Freiheit. Das männliche Prinzip neigt zum Tun, richtet sich nach Regeln, tendiert zum Individualismus, betrachtet und beobachtet. Entsprechend fördert das männliche Prinzip aktivierende, zu Handlungen führende und Autonomie fördernde Sinn-Stiftungen.

Quadranten = Sinnvoll Leben in allen Lebensbereichen

Der fünfte Aspekt zur Integralen Erforschung deiner Sinn-Stiftungen sind die Quadranten.

Die Wirklichkeit, die du gerade erlebst, wird wesentlich durch deine aktuelle Perspektive, deinen Fokus bestimmt. Entweder ist deine Aufmerksamkeit auf die Außenwelt (Materie) oder auf deine Innenwelt (Geist) gerichtet – beides zugleich geht nicht. Und du erlebst dich einerseits als Individuum, andererseits bist du stets mit dem Rest der Welt verbunden. Den diversen Kollektiven, Kontexten und Systemen, die dich umgeben.

Quadranten bezeichnen diese vier grundlegenden Perspektiven, die du auf die Wirklichkeit einnehmen kannst. Dabei ist keine Perspektive wichtiger als die anderen und nur die Gesamtheit dieser vier Perspektiven macht ein von Sinn erfülltes Leben wahrscheinlicher.

Mit Blick auf deine Sinn-Stiftungen sind mit den Quadranten je eigene Handlungs-Schwerpunkte verbunden, die du auch in der Abbildung zu diesem Artikel findest:

  • Bewusst sein (Individuell-Innen) – Bei dieser Perspektive auf dein Leben geht es um das, was du liebst. Dein ganz persönliches, subjektives Sinn-Empfinden sowie deine individuellen Ansichten zum Sinn deines bzw. des Lebens. Mache dich kurz mit dieser Perspektive vertraut, indem du dir deiner Sinneseindrücke, Gefühle, Gedanken, Überzeugungen und Erinnerungen in Bezug auf den Sinn deines Lebens bewusst wirst. Meditiere gerne über die Erkenntnisse aus dieser Übung.
  • Wirksam handeln (Individuell-Außen) – Diese Perspektive fokussiert das, worin du gut bist. Wie du wirksam handelst und was du tust, um den Sinn deines Lebens zu realisieren. Hierbei geht es um sinnvolles Verhalten von dir, z.B. eine gesunde Ernährung oder das Aufrechterhalten deiner körperlichen Gesundheit und Fitness. Es ist eben wenig sinnvoll, den eigenen Körper auf deiner persönlichen Sinn-Suche zu vernachlässigen. Führe dir kurz einmal bewusst vor Augen, wie du dich verhältst und wie du deinen Körper dabei einsetzt.
  • Aktiv teilhaben (Kollektiv-Außen) – Diese Perspektive nimmt in den Blick, wie du an den Interaktionen mit anderen Mitmenschen aktiv teilhaben kannst. Wie du mit anderen in Bezug auf deinen bzw. den Sinn des Lebens interagierst. Oder auf dein ökonomisches Auskommen bezogen: wofür du bezahlt wirst oder werden könntest. Mache dir für einen Moment bewusst, wie du durch andere in Bezug auf deine Sinn-Stiftungen beeinflusst wirst – und wie du andere beeinflusst bei ihren eigenen Sinn-Stiftungen.
  • Sinnvoll beitragen (Kollektiv-Innen) – Diese Perspektive betrachtet das, was die Welt braucht. Und wozu du persönlich beitragen kannst. Hier geht es um die kulturellen Sinn-Stiftungen und intersubjektiven Sinn-Geflechte jener Gemeinschaften, in denen du dich aufhältst, denen du dich zugehörig fühlst bzw. deren Überzeugungen und Wertvorstellungen du teilst. Mache dir auch hier kurz bewusst, zu welche Gemeinschaften du heute beiträgst. Dies kann deine Familie oder dein Freundeskreis sein, deine Geschäftspartner oder berufliche Kollegen. Überlege, ob sich diese Gemeinschaften für dich immer noch stimmig anfühlen. Und ob du mit deinen Handlungen sinnvoll zur Entwicklung dieser Gemeinschaften beiträgst. Was du in dieser Hinsicht vielleicht verändern möchtest, um für dich und diese Gemeinschaften mehr Sinn zu stiften.

Neben diesen vier grundlegenden Perspektiven gibt es vier übergeordnete Grundbedürfnisse, die diese Handlungsfelder miteinander verbinden:

  • Passion – verbindet bewusstes Sein mit wirksamem Handeln. Deine Leidenschaft findest du in der Schnittmenge dessen, was du liebst und dem, was du gut kannst. Was also ist deine persönliche Leidenschaft?
  • Profession – verbindet wirksames Handeln mit aktivem Teilhaben. Das, worin du richtig gut und talentiert bist und das, womit du deinen Lebensunterhalt verdienen kannst, weist dir den Weg zu deinem Beruf. Wie erlebst du deinen eigenen Beruf? Macht er dir Freude? Stiftet er dir Sinn?
  • Berufung – verbindet aktives Teilhaben mit sinnvollem Beitragen. Deine Berufung findest du in dem, was die Welt von dir braucht und dem, womit du deinen Lebensunterhalt verdienen kannst. Wozu fühlst du dich berufen? In welchen Situationen und zu welchen Themen wirst du von deinen Mitmenschen immer wieder zu Rate gezogen oder um Unterstützung gebeten?
  • Mission – verbindet sinnvolles Beitragen mit bewusstem Sein. Deine Mission ergibt sich aus dem, was du liebst und dem, was die Welt von dir braucht. Was also ist deine ganz persönliche Mission?

Was also ist der Sinn des Lebens?

Wir hoffen, du konntest bisher einige hilfreiche Ideen und sinnvolle Inspirationen für dich finden, die dir helfen, den Sinn deines Lebens zu erkennen und zu realisieren. Es gibt so viele verschiedene Wege, um die Frage nach dem Sinn des Lebens zu beantworten – und noch viel mehr Antworten, die im Laufe der Menschheitsgeschichte darauf gegeben wurden. Es handelt sich wahrscheinlich um die ultimative Frage der Menschheit.

Die einfachste Antwort darauf erscheint uns zugleich am schwierigsten zu realisieren. Nämlich dass der Sinn des Lebens darin besteht, die ultimative, absolute Einheit mit allem, den absoluten Urgrund allen Seins zu verwirklichen. Das eine allumfassende Bewusstsein in einer direkten unmittelbaren Erfahrung zu erkennen.

Häh?

Unter all den Antworten, die im Laufe der Zeit auf die Frage nach dem Sinn des Lebens angeboten wurden, die oben betrachteten Ausführungen eingeschlossen – ist diese Antwort einzigartig. Denn die meisten der angebotenen Antworten beziehen sich auf das, was spirituelle Traditionen „relative Wahrheit“ nennen würden – sie können dich von einem relativ niedrigen Lebenssinn zu einem ziemlich noblen Lebenssinn führen, aber sie sind alle relativ.

Wellen und Ozean sind eins

Diese relativen Wahrheiten entstehen, existieren für eine bestimmte Zeit und dann verschwinden sie. Um ein Bild dafür zu verwenden gleichen sie den Wellen auf einem Ozean. Diese Wellen entstehen irgendwann, werden größer, irgendwann brechen sie und lösen sich wieder auf. Du kannst auf diesen Wellen surfen, indem du dir eine vielversprechende Welle aussuchst. Du reitest dann eine Zeitlang auf ihr, bis sie sich wieder auflöst. Das wars. Und du wählst genau deshalb diese vielversprechende Welle aus, weil sie sich von den anderen Wellen unterscheidet. Du kannst besonders große Wellen reiten, um eine größere, erhabenere Erfahrung zu machen. Um deinem Leben einen größeren Sinn zu geben.

Aber der Grund all dieser Wellen, der Ozean, ist pure Nässe. Nässe die in jeder Welle gleichermaßen vorhanden ist. Keine Welle ist feuchter als eine andere Welle.

Wenn du also nach der Nässe, der Existenz oder Identität einer Welle suchst, dann ist dies etwas, dass in jeder Welle deiner Erfahrung präsent sein muss. Eine Welle hat nicht mehr davon als eine andere. Jede Welle, die du erlebst, hat die gleiche Menge an Nässe, die gleiche Menge an Existenz, die gleiche Menge an Soheit. Und alle Bemühungen, alle Arten der Meditation, die dich in einen bestimmten Bewusstseinszustand bringen oder zu einem relativ stimmigen Sinn des Lebens führen verfehlen letztlich diesen ultimativen Sinn des Lebens. Weil dieser ultimative Zustand so radikal gegenwärtig ist, dass wir ihn nicht erkennen. Er gleicht der Nässe, Existenz und Identität, die an jedem Punkt des Ozeans und in jeder Welle gleichermaßen vorhanden ist.

Diesen ultimativen Sinn des Lebens kannst du weder suchen, noch versuchen ihn zu finden, noch ihn durch irgendeine Methode erreichen. Es nützt dir auch nichts, von einer kleinen Welle auf eine andere, größere Welle zu wechseln. Das einzige, was du tun kannst, um diesen ultimativen Zustand, dieses allumfassende Bewusstsein zu erkennen, ist einfach in das Wasser einzutauchen und die Nässe, Existenz, Identität zu erkennen.

Gerade die prinzipielle Unerreichbarkeit dieses ultimativen Lebenssinns macht es uns paradoxerweise so schwer, ihn zu erkennen. Wir können einfach nicht glauben, uns einfach nicht vorstellen, dass diese absolute Wahrheit so leicht zu erkennen und zu realisieren ist. Zu erkennen, was allgegenwärtig und alles durchdringend ist. Also: tauche ein in das Mysterium deines Lebens.

Interessiert an einer Integrale Lebenspraxis?

Vielleicht hast du nun eine gute Idee, wie hilfreich eine integrale Betrachtung von wichtigen Fragestellungen für dich und dein Leben sein kann. Wir hoffen du hast Lust bekommen, mehr über den Integralen Ansatz, eine Integrale Lebenspraxis und praktische Anwendungen in deinem Leben zu lernen. Dazu stehen dir unter anderem folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Beschäftige dich gerne weiterhin mit der Frage nach dem Sinn des Lebens – doch reflektiere mit Hilfe der hier vorgeschlagenen Fragen deine zugrunde liegende Motivation, dich mit dieser Frage zu befassen.
  • Falls noch nicht geschehen, beginne eine regelmäßige Meditations-Praxis, um den ultimativen Lebenssinn zu realisieren. Eine erste Einführung, Tipps und Meditationsmusik dazu findest du in unserem Artikel „Integrale Meditation“.
  • Nimm gerne an unserem Integralen Salon teil, der monatlich in Hamburg-Poppenbüttel zusammentrifft und aktuelle Themen und persönliche Situationen auf Integrale Weise erörtert.
  • Für weiterführende Infos zum Integralen Ansatz lies gerne unseren Artikel „Was ist integral?“ und unseren Blog-Beitrag „Die Integrale Landkarte“.
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  • Falls du dich berufen fühlst, anderen Menschen als Coach zu helfen, bewusster zu leben, wirksamer zu handeln, aktiver teilzuhaben und sinnvoller zu ihren Gemeinschaften beizutragen – dies lernst du in unserer Systemisch-Integralen Coach-Ausbildung.

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